Vom Schaf zur coolen Socke

Die „Wollspinn-Aktion“ in der Merianschule: Alte Handwerkskunst – nicht nur für junges Publikum

Von Christiane Barth

Wie entsteht aus der Schafwolle ein modisches T-Shirt? Diese Verwandlung vom Rohstoff, der grasend auf der Wiese spazieren getragen wird, zur schicken Klamotte, die auch in der Schule hip ist, soll jungen Leuten nun bis ins Detail demonstriert werden.

Das Ganze nennt sich dann „Wollspinn-Aktion“ und ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Merianschule, der Gemeinde und des Vereins für Heimatpflege Epfenbach sowie des Spinnzirkels Eberbach. Der rote Faden dabei ist durchaus ganz wörtlich zu verstehen: Spinnerinnen, Weberinnen und Tuchmacher kommen am Montag und Dienstag, 18. und 19. Februar, nach Epfenbach, wo dann von Mittwoch bis Freitag in den Klassenzimmern der Merianschule sowie der Gemeinschaftsschule Vorführungen stattfinden. Am darauf folgenden Wochenende ist jeder eingeladen, der sich für dieses alte Handwerk interessiert und wissen will, was das Schaf auch heute noch mit dem Pulli oder der Socke zu tun hat. Der Spinnzirkel Eberbach bringt dazu nicht nur das nötige Garn mit, sondern auch dessen Zulieferer, nämlich eine kleine Schafherde, die dann vor der Schule grasen darf. „Es soll der Weg vom Rohstoff zum Endprodukt demonstriert werden“, verdeutlicht Historiker Karl-Heinz Halbedl aus Eberbach, der dem dortigen Spinnzirkel als Bald-Nachfolger von Christa Haas vorsteht. Die beiden trafen sich nun gemeinsam mit Bürgermeister Joachim Bösenecker, Schulleiter Tobias Liebig-Cardinale, Marion Smits, Sekretärin der Merianschule, sowie Gisela Reinhard als Vertreterin des Heimatvereins in Epfenbach. Dass die Aktion in Epfenbach stattfindet, ist kein Zufall, denn das Dorf blickt auf eine alte Weber-Tradition zurück. Bis in die 40er- Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren in der Brunnenregionsgemeinde mehrere Betriebe heimisch, die Flachs und Hanf, Seide und Baumwolle zu Hemden und Hosen oder häusliches Tuch für Tisch oder Bett entwarfen. Wenn sich in der Schule die Spinnräder drehen und am Webstuhl das Garn ganz nach alter Handwerkskunst verarbeitet wird, sollen die Kinder und Jugendlichen auch mit dem alten Sprachgebrauch vertraut gemacht, sollen Vokabeln der Flachsverarbeitung wie „raufen“ oder „riffeln“ erklärt werden. Wenn mit heißer Nadel gesponnen wird, sollen auch die Rohstoffe – von der Pflanzenfaser wie Flachs, Hanf oder Baumwolle bis zum Textilmaterial tierischen Ursprungs wie Seide oder Schafswolle – erklärt werden. Die Schafe werden übrigens auf der Schulwiese entlang der Westlichen Ringstraße ihren Auslauf bekommen. Die Tiere werden morgens gebracht und abends zurück in den heimischen Stall transportiert. Fi Info: Die Vorführungen in der Merianschule finden am 23. und 24. Februar von 11 bis 16 Uhr statt. Schüler kommen von 20. bis 22. Februar in den Genuss: Grundschüler vormittags ab 9.45 Uhr, Gemeinschaftsschüler nachmittags ab 14 Uhr. Der Epfenbacher Heimatverein bestückt zudem in der Aula eine Wäscheausstellung mit edlen Stücken aus der Generation der Urgroßeltern. Am Samstag besucht eine Märchenerzählerin die Schule.

Mit freundlicher Genehmigung der RNZ

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